Als der Lieferant den Lachs gegen TK-Fisch getauscht hat

Und warum ich am liebsten sein Gesicht paniert hätte.


Die meisten Menschen haben romantische Vorstellungen von Gastronomie. Frische Zutaten, glückliche Gäste, kreative Küche, ein bisschen Chaos, aber alles mit Liebe.
Bullshit.
Manchmal ist es einfach nur ein mieser Film, in dem du die Hauptrolle spielst – mit fettigen Händen, 12 Bons am Pass und einem Lieferanten, der dich behandelt, als wärst du blöd wie ein Kasten Sprudel ohne Kohlensäure.

Es war ein Donnerstag. Wochenanfang bei uns – neue Karte, neue Ware, neue Katastrophen.
Wir hatten ein neues Gericht geplant: Lachsfilet auf Belugalinsen mit Zitrus-Beurre-Blanc.
Schick, oder? Dachten wir auch.
Das war auch der einzige Moment, in dem irgendwas an dem Tag noch schick war.

Der Fisch sollte gegen 10 Uhr kommen.
Ich steh also in der Küche, warte.
11 Uhr: nix.
11:45 Uhr: endlich, der Lieferant rollt an.
Frank.
Kennt man. So’n Typ, der immer zu viel labert und zu wenig liefert. Immer „hat gerade keine Zeit“, immer „war Stau“, immer mit so ’nem Grinsen, das sagt: „Ich weiß, dass ich Mist gebaut hab – aber du bist zu busy, um mich zu konfrontieren.“

Er kommt rein, sagt:
„Lachs is da. Viel Spaß, Chef.“
Ich unterschreib den Lieferschein, hau das Paket in die Kühlung – denk mir nix.

Fehler.

Gegen 13 Uhr will ich mit dem Mise en Place anfangen, öffne die Box, seh:
Gefrorene Filets.
Noch verpackt in der Industriefolie.
Billig-TK-Lachs.
Kein frisches Filet, nix Sushi-Qualität, nix Label Rouge. Einfach nur: Tiefkühl-Dreck.

Ich raste fast aus.

Ruf Frank an.
Geh nicht ran.
Ruf Zentrale an.
Sagen, sie würden’s „prüfen“.
Ja, prüf du mal mein Nervenkostüm, Bruder.

Ich schick dem Typen ne Sprachnachricht, voll auf Anschlag:
„Sag mal, hältst du uns eigentlich für komplett bescheuert?! Du kommst hierher, laberst was von ‘Premiumlieferung’, und dann stehst du mit dieser aufgetauten Supermarktscheiße vor der Tür?! Wir nehmen sowas nicht mal für die Personalverpflegung – und selbst da wär’s ’ne Beleidigung!“

Antwort: keine.

15 Uhr.
Chef kriegt’s mit. Wird nervös.
„Wir haben heute Abend 40 Lachs-Vorbestellungen…“
Ja. Ich weiß. Ich kann lesen. Und ich kann kochen – aber nicht aus Scheiße Lachs machen.

Wir suchen Alternativen. Kein Händler kann so kurzfristig liefern.
Am Ende holen wir’s selber aus der Metro. 2 Leute, 1 Stunde Fahrt, 180 Euro extra.
Ich steh derweil in der Küche, mach die Linsen, träufel die Beurre Blanc und denk mir:
„Ich schwör, wenn ich den Frank nochmal seh, ich panier ihn und schieb ihn in die Kombi.“

Abends? Service läuft.
Die Gäste? Merken nix.
Im Gegenteil – Lob für die Qualität.
Klar. Weil wir’s gerettet haben. Wie immer.
Weil wir in der Gastro alles ausbügeln müssen, was andere verkacken.

Frank? Kam am Montag wieder.
Wieder zu spät.
Wieder mit Grinsen.
Ich schau ihn an, sag nichts, nur:
„Schau mal rein, was du diesmal gebracht hast – und wenn’s wieder Mist ist, bringst du’s direkt wieder zurück. Und dich gleich mit.“

Er sagt nix.
Nur ein kurzes Nicken.
Ich glaub, er hat’s verstanden. Vielleicht.


Fazit:
In der Gastro musst du nicht nur kochen können – du musst auch Lügner, Blender und Halbprofis jeden Tag ausgleichen, als wär’s Teil deines Berufsbildes.
Und das Schlimmste?
Du kriegst dafür keinen Orden. Nur kalten Kaffee und ne Rechnung über 180 Euro für Lachs, den du nie bestellt hast.

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