Der Gast, der seine Pizza selbst belegt hat

Und warum ich heute noch auf Käse allergisch reagiere – psychisch.


Pizza.
Du denkst: einfach, universal, idiotensicher.
Nein.
Nicht, wenn du Gäste hast, die mit Allmachtsfantasien und einem TikTok-Gehirn bewaffnet zum Essen erscheinen.

Es war Freitagabend. Die Pizzeria brummte.
Der Ofen lief auf 300 Grad, ich war voll im Flow – Teig werfen, Soße drauf, Käse, Belag, zack – ab in den Steinofen.
Takt, Präzision, Routine.
Und dann kam Tisch 11.

Ein Typ, Mitte 30, mit Freundin – vermutlich zum ersten Mal seit zwei Wochen nicht in Jogginghose.
Er bestellt:
„Eine Pizza Margherita, aber… ich sag dann gleich nochmal, was ich extra will.“
Klar. Kein Problem.

Ich bring die Karte zurück.
Er:
„Also ich nehm extra Salami, Mais, Gorgonzola, aber nur auf einer Seite. Dann noch Jalapeños – aber erst nach dem Backen, weil sonst… ist zu matschig.“
Ich:
„Alles klar.“
Intern:
„Warum zum Fick hast du nicht einfach ne Pizza selbst gemacht und zuhause gegessen?“

Ich bring den Bon rein, die Pizza wird gebaut.
Rausgeholt, serviert, auf den Tisch.
Ich dreh mich um, will schon zum nächsten Tisch – da ruft’s von hinten:
„Entschuldigung?!“

Ich dreh mich um.
Der Typ hält die Pizza hoch. Mit der Hand.
Nicht wie ein normaler Mensch am Teller.
Mit der HAND.

„Da fehlt was.“
Ich:
„Was genau?“
„Ich wollt doch noch Rucola. Und Knoblauchöl. Und Parmesan.“
Ich:
„Parmesan war nie Thema.“
Er:
„Ich dachte, das wär selbstverständlich.“
Selbstverständlich? Was bist du – Jesus in Neapel?!

Ich sag:
„Ich bring’s gern nach – kein Thema.“
Und was macht er?
Er steht auf. Läuft mir hinterher. In die offene Küche.

Und bevor ich was sagen kann, greift er sich eine kleine Zange vom Beilagentisch, schnappt sich den Parmesan – und fängt an, seine Pizza selber zu belegen.
Live. Vor allen.

Ich schau ihn an.
Meine Kollegen erstarren.
Der Koch hinten fällt fast vom Stuhl.
Ich sag:
„Kann ich Ihnen helfen?“
Er:
„Nee nee, ich mach das lieber selbst, dann passt’s auch.“

BRUDER. WAS?!

Ich sag:
„Das hier ist keine DIY-Werkstatt. Sie sind nicht bei Subway.“
Er lacht.
Ich lache nicht.

Chef kommt.
Fragt ruhig:
„Was ist hier los?“
Der Typ:
„Ich belege nur kurz nach. War ja nicht alles drauf.“
Chef:
„Und Sie glauben, das gibt Ihnen das Recht, in unsere Küche zu greifen?“
Er:
„Ich zahl ja dafür.“

Ah ja. Ich zahl auch für Netflix, aber ich programmier denen trotzdem keine neue Folge rein, wenn’s mir nicht gefällt.

Chef bleibt ruhig.
Aber deutlich:
„Letztes Mal. Entweder Sie bleiben am Tisch oder Sie gehen.“
Der Typ rollt die Augen, setzt sich.
Frisst seine Gott-verdammt-selbst-belegte Pizza.

Und das Trinkgeld?
Null.
Natürlich.


Fazit:
In der Gastro arbeitest du mit Gästen, die glauben, du bist ihr persönlicher Sklave.
Und manche überschreiten jede Grenze – ohne überhaupt zu merken, dass da mal eine war.
Pizza?
Gern.
Aber wenn du nochmal in meine Küche gehst, leg ich dich selber in den Steinofen.
Mit extra Jalapeños.

Share this content:

Kommentar veröffentlichen

Das könnte dich auch interessieren