Die Familie mit 6 Kindern und 100 Extrawünschen

Wenn du Kinder hasst, obwohl sie nichts dafür können – fast.


Manche Tische kündigen sich schon an, bevor sie da sind.
Du hörst sie.
Du spürst sie.
Du weißt: Jetzt kommt Ärger.

Tisch 9. Sonntag. Brunchzeit.
Ich seh sie schon von weitem – Papa mit Bart und Wut im Blick,
Mutter mit Jack-Wolfskin-Energie
und sechs Kinder, die direkt aus einem Horrorfilm gecastet wurden.

Die Kleinste schreit noch beim Reinkommen.
Einer hängt über der Absperrkordel wie’n toter Fisch.
Einer rülpst beim Betreten des Raumes.
Ich sag:
„Moin, willkommen – drüben ist euer Tisch.“
Die Mutter sagt:
„Können wir einen anderen haben? Der ist zu laut.“
Der Tisch steht neben einer Topfpflanze.
Ich:
„Klar, wir pflanzen euch gern mitten ins Kühlhaus, da ist es ruhig.“
Sag ich natürlich nicht. Ich lächle. Wie ein Idiot.

Sie setzen sich. Ich bring die Karten.
Da geht’s los.

„Das Kind hier isst kein Brot.“
„Er da hat eine Avocado-Intoleranz.“
„Der mag das Rührei nur ohne Ei.“
„Haben Sie Pancakes in Dinkel und ohne Zucker?“

Bruder.
Es ist ein Brunch. Kein Wunschkonzert.
Ich hab keine Hexenküche. Ich hab 80 Gäste und 2 Hände.
Aber ich nicke.
Weil ich Profi bin. Und ein Masochist.

Die Kinder rennen rum. Eins unter’m Tisch. Eins am Fenster.
Eins hat ein Messer in der Hand.
Ich sag:
„Vielleicht könnt ihr die Kleinen…“
Die Mutter:
„Die brauchen Bewegung. Die sitzen sonst zu viel.“
Aha.
Ich auch. Im Knast, wenn ich gleich durchdrehe.

Ich bring das Essen. Natürlich alles gleichzeitig, 18 Extrawünsche später, einmal ohne Tomate, zweimal ohne Geschmack, dreimal ohne alles.
Ich stell ab.
Die Mutter guckt.
„Ach, können Sie das Ei nochmal machen? Er meinte, er will’s doch flüssig.“
Ich guck das Kind an.
Es grinst.
Ich will weinen.

Dann der Papa:
„Können Sie mir mal bitte sagen, wie das hier läuft? Ich hab 100 Euro auf’m Tisch und nix, was mich satt macht.“
Ich denk:
„Ich hab 40 Stunden in den Knochen und keine Geduld mehr für deine scheiß Haltung, du Frühstücksfascho.“

Aber ich sag:
„Ich frag gern nochmal in der Küche, ob wir noch was retten können.“
Was ich wirklich meine:
„Ich hoffe, du beißt auf eine Glasscherbe in deinem Bio-Brötchen.“

Am Ende essen sie alles.
Die Kinder schmieren Nutella auf die Wand.
Der Vater zahlt. 98,60 Euro.
Und sagt:
„Den Rest können Sie behalten.“
Zwei Euro vierzig. Für zwei Stunden Terror.

Ich schreib „Danke“ auf den Bon.
Aber ich buchstabiere in meinem Kopf: H-A-U-T-A-B.


Fazit:
Service ist kein Job.
Es ist eine Prüfung.
Und manchmal kommst du durch –
aber deine Seele bleibt auf Tisch 9 liegen.

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