Die Spülkraft, die Gras im Nachtisch versteckt hat – und warum alle Gäste plötzlich so relaxed waren
Ein süßes Versehen mit Langzeitwirkung.
Wir reden hier von einem stinknormalen Donnerstag.
Es war ruhig.
Ein bisschen zu ruhig.
Das Menü war safe, der Ablauf war tight, der Chef war ausnahmsweise nicht am Ausrasten.
Und dann kam die Nachspeise.
Panna Cotta mit Schokoladen-Erde.
Schön angerichtet, kleine Schale, Minze drauf, zack – ab in den Gastraum.
Gäste happy.
Service locker.
Küche auf Autopilot.
Und dann beginnt der Wahnsinn.
Nicht mit Schreien.
Nicht mit Reklamationen.
Sondern mit Gekicher.
Tisch 3 fängt an zu lachen.
Tisch 5 guckt auf die Deko – und staunt.
Einer sagt:
„Ey, dieses Schokoding hat was voll Kräutriges. Echt spannend!“
Ich schau den Teller an.
Sieht normal aus.
Schmeckt: süß.
Aber…
Moment.
Im Abgang: leicht bitter, leicht pflanzlich, irgendwie…
Grasig.
Ich renn in die Küche.
Geh direkt zur Patisserie.
Frag:
„Wer hat heute die Schokoladen-Erde vorbereitet?“
Und da steht sie.
Katja.
Unsere Spüli.
Mit Schürze voller Mehl, Augen rot wie Beef-Tatar.
Ich:
„Katja? Was hast du da reingemacht?“
Sie grinst.
Zieht einen Beutel raus.
Aufschrift: „Backkakao“.
Ich schnupper.
Digga. Das war kein fucking Kakao.
Das war ne Zutat für Snoop Doggs Brownies.
Ich sag:
„WIE ZUR HÖLLE KOMMT DAS IN DEN NACHTISCH?“
Sie:
„Hab’s aus’m Spind genommen. Dachte, das wär das gute Pulver von Ramzi.“
RAMZI.
Natürlich.
Unser Sous-Chef-Dealer.
Der hat seinen Stuff im Spind gelagert. Beschriftet. In ’nem fucking Kakaobeutel.
Ich will einfach nur sterben.
Zehn Gäste haben’s gegessen.
Sieben davon haben’s gemerkt.
Zwei davon haben nix gesagt – vermutlich, weil sie gerade auf Wolke 9 waren und mit der Wand geflirtet haben.
Chef kommt rein.
Ich erklär die Lage.
Er atmet schwer.
„Ruf niemanden an. Lass sie einfach chillen.
Wir bringen ihnen Wasser. Und bitte keine Espresso mehr.“
Ich geh raus.
Tisch 4 liegt halb auf dem Stuhl.
Sagt:
„Euer Dessert hat mich… berührt.“
Ich sag:
„Danke. Unser Ziel ist ein nachhaltiger Eindruck.“
Was danach passierte?
→ Wir haben den Rest der Portionen weggeschmissen.
→ Ramzi kriegt ne Abmahnung (aber ich weiß, der hat trotzdem weiter verkauft).
→ Katja musste nen Drogentest machen (war positiv, natürlich).
→ Und wir mussten offiziell „Aromenverwechslung“ ins Küchentagebuch schreiben.
→ Ach ja:
Zwei Gäste wollten den Nachtisch für ihre Hochzeit buchen.
Ich sagte: „Nur unter ärztlicher Aufsicht.“
Fazit:
Gastro ist wie Drogenküche:
Wenn du nicht aufpasst, wird dein Dessert zur Eintrittskarte für Woodstock 3.0.
Und wenn deine Spüli nicht weiß, was Kakaopulver ist und was „OG Kush“,
dann brauchst du nicht mehr Backformen –
dann brauchst du ’nen Anwalt.
Aber hey:
Die Stimmung war noch nie so gut.
Der Dessert-Gang hatte noch nie so viele leuchtende Augen.
Und keiner hat sich je wieder über zu kleine Portionen beschwert.
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