Die Sterneküche, in der der Küchenchef die Bratpfanne geworfen hat – aus Liebe. Oder so.

Feine Küche, kaputte Egos und der Moment, in dem Töpfe mehr fliegen als Komplimente.


Ich war jung.
Frisch im Game.
Ziemlich naiv und leicht beeindruckbar.
Und dann hieß es plötzlich:
„Du machst ein Praktikum in einem 1-Sterne-Laden – da lernst du was.“
Was ich gelernt hab?

→ Dass Michelin-Sterne keine Garantie für gutes Betriebsklima sind.
→ Und dass ne Bratpfanne mit genug Wucht exakt auf Kopfhöhe fliegen kann,
wenn der Küchenchef in seine Ex verliebt ist.


Der Laden war pompös.

Steinplatten, offene Küche, handgeschriebene Karte mit französischen Begriffen, die kein Mensch aussprechen konnte.
Alles weiß.
Alles glänzte.
Außer der Umgangston.

Chef war ein Genie.
Aber auch ein Drecksack.
So einer, der Filet schneiden kann wie ein Chirurg –
und dir dann mit dem gleichen Messer erklärt, dass du wertlos bist.

Er war auch verknallt.
In die Sous-Chefin.
Die war tough, laut, sexy wie die Hölle – und klüger als der ganze Laden zusammen.
Das war das Problem.

Er liebte sie.
Sie kochte besser als er.
Und er hasste sich dafür.


Der Tag, an dem’s eskaliert ist:

Wir sind mitten im Service.
Volle Hütte.
Tisch 4 reklamiert die Taube.
Sous-Chefin nimmt den Teller, prüft, sagt sachlich:
„Zu trocken. Ich mach sie neu.“

Chef – schon rot im Gesicht, Schweiß wie Lava – faucht:
„ICH ENTSCHEIDE, WANN WAS TROCKEN IST!“
Sie:
„Dann mach’s halt richtig. Ich rette dir nur den Arsch.“

Stille.
Eine Sekunde.
Dann:

ZACK!
Die Pfanne.
Voll fettig.
Fliegt an ihr vorbei, knallt an die Wand,
gleitet ab wie ein geisteskranker Hockey-Puck,
und landet auf’m Boden.

Alle erstarren.
Ich bin hinten bei den Pürees – und denke kurz, ich sei in ner Mafia-Serie.

Chef schreit:
„Wenn du nochmal meine Entscheidungen in Frage stellst, dann kannst du gleich rausgehen – mit deinem arroganten Möchtegern-Ton!“

Sie bleibt eiskalt.
Geht zum Pass.
Richtet neu an.
Und sagt:
„Dann kannst du die nächste Bestellung alleine schreien, Romeo.“

Er?
Steht da.
Körper zittert.
Augen glasig.
Ich schwör, der Mann war zwischen Mord und Heiratsantrag.


Danach?

Service läuft weiter.
Gäste bekommen geiles Essen.
Niemand weiß, dass hinter der Wand gerade eine Liebeskrise mit Küchenwaffen stattfindet.
Welcome to fine dining, Bitch.

Abends sitzt der Chef hinten am Müllraum.
Raucht.
Stumm.
Ich geh vorbei.
Er sagt nur:
„Ich hasse sie, weil sie besser ist. Und ich liebe sie, weil sie besser ist.“
Ich sag:
„Dann wirf halt ein Herz, keine Pfanne.“
Er guckt mich an.
„Du wirst mal ein richtig zynischer Bastard. Bleib in der Gastro.“


Fazit:

Sterneküche sieht von außen geil aus.
Drinnen?
Egos, Angst, Schweiß, Tränen, Machtspiele.
Ein Topf, der kocht – und keiner weiß, was drin ist.
Wenn’s richtig scheppert, dann fliegen nicht nur Pfannen.
Dann fliegen Menschen raus. Oder Gefühle rein. Oder beides.

Und die Gäste?
Die sitzen da, löffeln Taube und sagen:
„Hach, so ein ruhiger, edler Laden.“

Wenn die wüssten.

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