Schichtbeginn mit Magen-Darm – ich hab’s trotzdem durchgezogen

Warum ich an dem Tag mehr gebetet hab als in meiner ganzen Kindheit.


Ich weiß, was du denkst: „Hä, bleib doch einfach zu Hause!“
Klar, logisch. Nur leider nicht in der Gastro. Da gilt:
Kommst du nicht, kackt der ganze Laden ab.

Also steh ich da. Weiß wie ein Kühlhaus. Bauch wie ein Orchester aus Dämonen.
Magen-Darm.
Vom Allerfeinsten.

Ich hätte kotzen können – und hab’s auch getan. Zwei Stunden vorher. Zuhause. Auf Arbeit nochmal. Schnell, unauffällig, zwischen Mise en Place und „Wo ist das Pesto?!“.
Ich hab nicht mehr geschwitzt, ich war flüssig. Komplett.

Aber wir waren unterbesetzt (natürlich), der Chef war krank (angeblich), der Azubi ist nach dem ersten Bon systematisch in Tränen zerfallen – also: Ich musste.

Ich hab mir Aktivkohle reingeschmissen wie TicTacs.
Zwei Liter Cola Light, weil: „Koffein = Leben.“
Und irgendwann war ich einfach nur noch leer. Geistig. Körperlich. Emotional.

Und dann… Tisch 5.
Ein 4-Gänge-Menü.
Vegan.
Glutenfrei.
Ohne Zwiebeln.
Und bitte warm, aber nicht zu warm.
Ich hätte in die Pfanne brechen können.

Aber ich hab serviert. Hab durchgezogen. Hab mein Gesicht behalten, obwohl mein Arsch auf Reboot war.
Irgendwann hab ich gemerkt: Mein Körper ist raus – ich laufe nur noch auf Willenskraft und Wut.

Zwischendurch hat mich die Kollegin gefragt, ob’s mir gut geht.
Ich hab gelächelt. So wie man halt lächelt, wenn man sich fragt, ob der nächste Furz safe ist. War er nicht. Hab’s gerade noch rechtzeitig aufs Klo geschafft. Sieht man mich auf der Kamera rennen? Bestimmt. Ist mir egal.

Aber ich hab’s durchgezogen.
Von 14 bis 23 Uhr. Ohne Zusammenbruch. Ohne Ohnmacht. Ohne Tod.

Danach?
Feierabendbier? Nein.
Ich bin einfach raus.
Nach Hause.
Hab mich aufs Badezimmer gelegt.
Nicht in die Wanne. Auf die Wanne.
Gastro-Spa, Deluxe Edition.


Fazit:
Wer mit Magen-Darm eine Schicht durchsteht, kriegt kein Zertifikat.
Kein Applaus. Kein Bonus.
Nur: Respekt von denen, die’s kennen.
Und das reicht manchmal.

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