Warum Tiefkühlware manchmal Leben rettet
Und wieso ich heute für die gefrorene Erbse beten würde.
Gastronomie ist ein Handwerk.
Frische Produkte. Ehrliche Küche. Regional, saisonal, am besten noch bio und handgestreichelt.
Klingt toll.
Und ist auch meistens so – wenn man Zeit, Geld und ein funktionierendes Liefernetz hat.
Aber dann gibt’s die Tage, da stehst du in der Küche, schaust in die leeren Kisten, der Service ballert dir die Bons um die Ohren, und du denkst dir:
„Scheiße. Wir sind gefickt.“
Und dann kommt sie: die Tiefkühltruhe.
Kalt. Unterschätzt. Und verdammt sexy in genau diesem Moment.
Der Tag, von dem ich rede, war einer von diesen typischen „alles geht schief“-Tagen.
Der Fischlieferant hatte einen Unfall. (Nichts Ernstes – außer für unsere Karte.)
Das Gemüse kam gar nicht erst.
Der Chef hatte am Vorabend beschlossen, wir machen eine „Tageskarte aus dem Bauch heraus“.
Blöd nur: Der Bauch war leer.
Ich stehe also da, mit einer Kühltheke, in der mehr Luft als Ware ist, und einem Azubi, der fragt, ob wir vielleicht den Mittagssalat durch eine „Brotzeit“ ersetzen können.
Ich lache. Kurz. Dann will ich schreien.
Aber stattdessen gehe ich… zur Tiefkühltruhe.
Und öffne die Büchse der Rettung.
Da liegen sie:
Tiefgekühlte Erbsen.
Blätterteig.
TK-Lachs (ja, diesmal absichtlich).
Veggie-Bällchen aus irgendeinem Bio-Versuchslabor.
Ein paar Brötchen. Und – ungelogen – vorportionierte Mousse au Chocolat.
Ich baue daraus in 30 Minuten ein neues Konzept:
→ Blätterteig-Quiche mit Erbsen und Spinat
→ Lachsfilet auf TK-Selleriepüree
→ Mousse im Glas mit Minze (weil’s dann „authentischer“ aussieht)
→ Veggie-Bällchen auf buntem TK-Gemüse-Ragout (mit Chiliöl, das wirkt immer wie Gastro-Kunst)
Der Chef schaut mich an:
„Du bist ein Zauberer.“
Ich nicke nicht. Ich weiß.
Ich bin ein Küchenmagier mit Gefrierschrank-Diplom.
Service? Läuft.
Gäste? Happy.
Der Typ am Nachbartisch sagt sogar: „So schön cremig hatte ich Erbsen lange nicht.“
Ich muss lachen. Die kamen vor 6 Monaten aus irgendeinem Lager in Polen und wurden heute einfach mit Butter und Pfeffer zum Leben erweckt.
Nach der Schicht sitzen wir draußen. Ich zieh an meiner Kippe, der Chef prostet mir zu.
„Heute hat die Truhe uns gerettet.“
Ich sag:
„Sie ist kalt, aber sie liebt uns.“
Fazit:
Ja, Frische ist geil.
Aber Tiefkühlware ist wie ein alter Freund, der nie zu viel fragt – aber immer da ist, wenn du ihn brauchst.
Ohne sie wäre der Tag ein Desaster gewesen.
So war’s ein kleiner Gastro-Triumph.
Danke, Erbse. Danke, Frost.
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