Wenn der Pass brennt und keiner es merkt
Weil offene Flammen in der Gastro nur das zweitheißeste Problem sind.
Du denkst, wenn es in der Küche brennt, merkt das sofort jemand.
Du denkst, Flammen mitten im Service würden für Panik sorgen.
Du liegst falsch.
Wenn der Bon-Drucker dröhnt, das Fett zischt, der Chef schreit und der Azubi wieder fragt, wo links ist – dann kann am Pass die Hölle brennen, und keiner merkt’s.
So auch an diesem gottverdammten Samstag.
Es war alles dabei: volles Haus, Vegetarierin mit Fleischallergie („aber Hühnchen geht, oder?“), Hochzeitssuppe für ein Pärchen, das offensichtlich nie wieder heiraten wird, und natürlich: Hitze wie in der Teufelsküche.
Ich steh am Herd, schieb Lachsfilets auf die Hautseite, während neben mir zwei Steaks bluten wie in ’nem Tarantino-Film. Der Pass – voll. Bon über Bon. Ich konzentrier mich auf Teller, auf Timing, auf meinen letzten Rest Würde.
Da ruft einer:
„Riecht’s hier verbrannt?“
Ich: „Ja, dein Timing, Klaus.“
Aber nein – es riecht wirklich verbrannt.
Ich dreh mich um – und was seh ich?
Der Pass steht in Flammen.
Die Wärmelampe hat irgendein Küchentuch gegrillt. Das Tuch? Direkt neben zwei Bons und nem fertigen Dessert.
Flamme. Hitze. Rauch. Halleluja.
Und das Schlimmste: Niemand hat’s gecheckt.
Nicht der Azubi, der direkt daneben stand und sich einen Apfel geschnitten hat (!).
Nicht der Chef, der hinten über die Buchhaltung flucht.
Nicht mal ich, der das Ding vor der Nase hatte.
Ich schnapp mir das Tuch, schmeiße es in die Spüle, dreh den Wasserhahn auf, das Ding zischt. Und der Azubi?
Guckt mich an und fragt:
„War das geplant?“
Ich:
„Ja, wir machen jetzt ‘Live Cooking meets Pyrotechnik’. Hol schon mal den Feuerlöscher zum Anrichten.“
Die Gäste? Keine Ahnung. Der Service fragt nur, ob wir Räucheraroma jetzt „neu auf der Karte“ hätten.
Nachlöschen. Umräumen. Pass desinfizieren. Neue Bons sortieren.
Service geht weiter. Weil Gastro so ist.
Scheiß auf Drama – wir haben Tickets zu erledigen.
Abends, nach der Schicht, steh ich draußen, zieh an der Kippe, schau auf meine Hände.
Leicht angeschmort, bisschen verbrannt, aber: funktioniert noch.
Wie immer.
Fazit:
In der Gastro kann die Welt brennen – wortwörtlich – und du machst trotzdem weiter.
Weil Aufgeben keine Option ist.
Und weil keiner Zeit hat, sich zu fragen, ob das da gerade noch normal ist.
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