Wie der Azubi den Brotteig mit Puderzucker gemacht hat – und meinte, es sei ‚die süße Alternative

Und warum der Teig sich anfühlte wie Kinderspucke mit Ambitionen.


Es war Vormittag, ruhig, angenehm.
Wir machen Teige fürs Abendgeschäft: Baguette, Focaccia, Brötchen – alles selbstgemacht, weil wir Geschmack, Stolz und einen funktionierenden Ofen haben.
Und Kevin. Leider.

Kevin hat den Auftrag bekommen:
„Mach den Grundteig für die Focaccia.“
Klingt einfach:
Mehl, Wasser, Hefe, Salz, ein Hauch Zucker für die Hefe.
ZWEI GRAMM ZUCKER, KEVIN. ZWEI. KEINE KILO. UND SCHON GAR KEINEN FEINSTAUB.

Ich bin hinten, checke die TK-Ware, komme nach 10 Minuten zurück –
Kevin knetet.
Fleischig.
Mit glänzenden Händen.
Der Teig?
Weiß. Klebrig. Glänzt.
Nicht wie Brotteig.
Mehr wie Slime mit Diabetes.

Ich frage:
„Was genau ist da drin?“
Er:
„Na ja, Mehl, Wasser, Hefe… und ich hab den Zucker einfach durch Puderzucker ersetzt. Ist ja auch Zucker, nur feiner – wie bei Latte-Art.“

LATTE-ART?!
WAS HAT DAS MIT BROT ZU TUN, DU TEIGHELD?!

Ich geh ans Regal.
Die normale Zuckerdose steht da.
Unberührt.
Dafür fehlt die ganze Dose Puderzucker. 250 Gramm.
Im Teig.
Für Focaccia.
Ich kotz innerlich Baiser.

Ich nehm ein Stück Teig, zerreiß ihn.
Er klebt.
Wie flüssiger Kaugummi.
Zieht Fäden wie ’ne schlecht geschriebene Liebesgeschichte.
Ich frag:
„Wie fühlt sich das an?“
Er:
„Leicht. Soft. Wie ne Wolke.“
NEIN.
Wolke? Das ist ein fucking Zuckerwatte-Golem in Hefeform.

Ich werf das Ding in den Eimer.
Kevin guckt enttäuscht.
Ich sag:
„Brot ist kein Dessert, Kevin. Brot ist Basis. Brot ist ernst.
Du hast gerade versucht, aus einem Brötchen ein Scheiß-Pfannkuchen zu machen.“

Er:
„Aber… süßes Brot gibt’s doch auch?“

Ja.
Gibt’s.
Brioche. Milchbrötchen. STOLLEN.
Aber wir wollten fucking FOCACCIA.
Salz. Öl. Kruste. Keine Scheiß-Zuckerexplosion.

Chef kommt.
Ich erklär.
Er bleibt still.
Dann sagt er nur:
„Gib ihm Mehl. Gib ihm Wasser. Lass ihn nochmal machen – aber diesmal ohne Patisserie-Fantasien.“

Kevin versucht’s nochmal.
Diesmal mit der richtigen Zutat.
Ich steh daneben.
Kontrolliere jeden Handgriff.
Hab noch nie jemanden so zögerlich Salz abwiegen sehen.


Fazit:
Backen ist keine Kunstform für Zuckerfeen auf Speed.
Backen ist Präzision.
Und wer denkt, Puderzucker ist einfach „edler Zucker“, gehört für drei Tage in die Backstube mit verbundenen Augen und nem Sack Mehl als Denkzettel.

Seitdem heißt bei uns die goldene Regel:
„Zucker nur, wenn’s im Rezept steht –
und wenn Kevin’s dabei, immer vorher gegenchecken.“

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