Wie der Azubi den Mettigel mit veganer Mayo gemacht hat

Und warum ich seitdem keine kalten Buffets mehr traue.


Mettigel.
Ein Klassiker.
Ein trauriger, stumpfer, aber in seiner eigenen morbiden Art geliebter Klassiker.
Wird immer noch bestellt. Meistens von irgendwelchen Bürohengsten oder Leuten, die sich „rustikal“ wünschen, aber trotzdem keine Zwiebeln vertragen.

Also:
Küche bereitet Buffet vor. Kalte Platten. Bratenaufschnitt. Käseigel. Und eben: der Mettigel.

Ich bin am anderen Ende der Küche und höre Kevin, unser Azubi, rumwerkeln.
Er ist „motiviert“, hat „Ideen“.
Und wenn Azubis in der kalten Küche Ideen haben, kannst du direkt den Notarzt rufen.

Irgendwann ruft er stolz:
„Der Igel ist fertig!“

Ich dreh mich um, geh hin –
und sehe etwas,
das aussah wie eine Mischung aus rohem Hack, Remoulade, Kinderspucke und Verzweiflung.

Ich:
„Was zur Hölle ist das?“
Er:
„Der Mettigel. Ich hab die Mayo selbst gemacht. Vegan – wegen Nachhaltigkeit.“

Vegan. Mayo. In rohem Schweinemett.
Lies das nochmal.
Langsam.

Ich hab’s auch dreimal lesen müssen, bevor ich’s geglaubt hab.
Und ich hab’s live erlebt.

Ich starr ihn an.
„Vegan. Mayo. Im Mett.“
Er:
„Na ja, ich dachte, das ist halt ein Gegenspiel, so Yin und Yang, Fleisch und Pflanzenfett. Außerdem hab ich die normale Mayo nicht gefunden.“

Ich:
„Bruder, die normale Mayo steht seit 10 Jahren IMMER im gleichen Kühlschrank. Direkt neben der Würde, die du heute verloren hast.“

Er zuckt mit den Schultern.
Ich bin sprachlos.
Er formt das Ding. Mit Händen.
Hat rohe Zwiebeln reingeknetet. Und – kein Scheiß – ein paar Karottenstückchen, „für das gesunde Gewissen“.

Er fragt:
„Kann ich dem jetzt noch Paprikapulver über den Rücken streuen? Wegen Optik?“

Ich:
„Kevin, du brauchst kein Paprika. Du brauchst Therapie.“

Ich schmeiß das komplette Teil in die Bio-Tonne.
Nicht wegen dem veganen Zeug.
Sondern weil ich Angst hatte.
Angst, dass das Ding am Buffet landet und irgendein Thomas aus der Buchhaltung sich den Magen auskotzt, weil der Mettigel „leicht nussig“ schmeckt.

Der Chef kommt rein.
Sieht die Szene.
Fragt:
„Was ist los?“
Ich:
„Kevin hat den Mettigel veganisiert.“
Chef sagt nichts.
Nur:
„Ich hol den Gin.“

Kevin steht da.
Versteht immer noch nicht, was genau schiefgelaufen ist.
Ich sag:
„Du kannst nicht einfach vegane Zutaten in rohes Fleisch kippen, weil’s gerade geil klingt. Das ist kein Instagram-Reel. Das ist eine Buffetplatte für 80 Leute – und KEIN FUCKING BIO-EXPERIMENT.“


Fazit:
Wenn ein Azubi ohne Hirn auf Ideen trifft, passiert sowas.
Der Mettigel ist tot.
Und zwar mit Würde.
Was Kevin gemacht hat, war kein Igel.
Es war eine bioethische Kriegsverletzung auf einem Porzellanteller.

Seitdem gilt:
Azubis dürfen keine Igel mehr bauen.
Keine Mayo anfassen.
Und „vegan“ nur sagen, wenn sie’s vorher mit dem Küchenpersonal, der Hausleitung und dem Gesundheitsamt abgesprochen haben.

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