Wie der Azubi heimlich im Lager gewohnt hat – mit Gaskocher, Schlafsack und WLAN-Verlängerung

Ein sozialer Absturz mit Putzplan und Streaming-Abo.


Jeder in der Gastro kennt’s:
Azubis sind manchmal seltsam.
Erscheinen zu früh, verschwinden zu spät,
machen Fehler wie andere Leute Atemzüge –
aber dieser hier?
Der war einfach immer da.
WIRKLICH. IMMER.
Tom. 19. Groß, blass, Hoodie unter der Kochjacke, Rucksack nie abgesetzt.

Anfangs dachten wir:
„Motiviert.“
Dann:
„Schräg.“
Dann:
„Okay, irgendwas stimmt nicht.“


Auffällig wurde’s, als er „nach dem Feierabend noch was vorbereiten wollte“.

Um 1 Uhr nachts.
Mehrmals.
Und dann am nächsten Morgen schon wieder da war, als ich die Tür aufgeschlossen hab.
Frisch. Munter. Wach.

Ich sag:
„Tom? Bist du über Nacht hiergeblieben?“
Er so:
„Nee nee… ich war nur früh da.
Bin bisschen durch den Park gelaufen. Sonnenaufgang, du weißt.“

Digga, du warst nicht beim Sonnenaufgang –
du hast in der fucking Trockenlager-Ecke geschlafen.


Und dann kam’s raus.

Chef will Lagertür austauschen.
Tür klemmt.
Hausmeister kommt.
Macht die Tür auf.
Und bleibt stehen.

Was er sieht?

→ Isomatte
→ Schlafsack
→ Karton mit Klamotten
→ Powerbank
→ Gaskocher
→ Und: ein scheiß WLAN-Repeater, mit Kabel durchs Personal-WC gezogen

Ich komm dazu, seh das Setup und denk:
„Alter, der Junge hat’s sich eingerichtet wie’n Airbnb auf Crack.“


Wir holen Tom rein.

Setzen ihn hin.
Fragen:
„Was soll das?“

Er guckt auf den Boden.
Sagt:
„Ich hab keinen Platz mehr zum Schlafen.
WG gekündigt. Kein Geld für Hostel.
Wollte nur kurz überbrücken… dann war’s irgendwie okay hier.“

BRUDI. DAS HIER IST LAGER. KEIN ÜBERGANGSHEIM.

Er erzählt:
→ Seit 6 Wochen pennt er heimlich da.
→ Kocht sich Reis auf dem Campingkocher.
→ Putzt morgens sein Lager selbst, damit keiner was merkt.
→ Streamt Serien über unsere scheiß Küchenleitung.

Ich frag:
„Was zur Hölle hast du geguckt die letzten Wochen?“
Er:
„Breaking Bad. Fühl ich irgendwie.“


Konsequenzen?

→ Chef rastet aus.
→ Schmeißt ihn nicht raus – aber verlegt ihn zum Praktikum in ’nen anderen Betrieb.
→ Lager wird abgeschlossen.
→ WLAN hat jetzt Passwort-Reset.
→ Gaskocher? Eingezogen. Steht jetzt bei uns als Mahnmal für „Es hätte schlimmer kommen können.“

Tom hat später ‘nen Ausbildungsplatz im Hotel bekommen.
Hat sich bedankt.
Hat gesagt:
„Ich hab in dem Lager mehr über’s Leben gelernt als in jeder Berufsschule.“


Fazit:

Wenn dein Azubi mehr Stunden im Betrieb verbringt als der Kühlraum,
sich zwischen Reismehl und Einweghandschuhen ein Zuhause baut,
dann brauchst du nicht nur ein Gespräch –
dann brauchst du ’ne verdammte Sozialarbeiterin.

Gastro frisst Menschen.
Manche beißen zurück.
Andere richten sich ein –
zwischen Dosenmandarinen, Klopapierrollen und WLAN-Kabeln.

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