Wie der Küchenchef bei der Weihnachtsfeier zwei Köche gebumst hat – und Montag so tat, als wär nix

Und warum ich seitdem Rotwein nur noch mit Trauma trinke.


Es war eine dieser legendären Gastro-Weihnachtsfeiern.
Nicht so ein steifes Sitztanz-Buffet mit Secret Santa und Rentier-Socken.
Sondern:
15 Leute.
1 geschlossener Laden.
30 Flaschen Schnaps.
Und der stille Schwur, alles zu vergessen.

Die Stimmung war geil.
Playlist von Electro bis Techno, Wein floss wie Wasser, und jeder war mindestens zwei Drinks entfernt von „normal“.
Küchenchef Ben – Anfang 40, trainiert, Kippe im Maul, sechs Monate Dauerstress in den Augen – war besonders locker.

Und als ich „locker“ sage, meine ich:
Er tanzte oben ohne auf der Kühltruhe
und hat dem Serviceleiter vorgeschlagen, „mal richtig zu entschleunigen – im Lager.“


Dann kam der Moment.

So gegen 3 Uhr.
Die Hälfte ist besoffen, zwei schlafen schon auf Säcken mit Mehl.
Ich steh hinten, zieh gerade ne Fluppe durch, da seh ich:
Ben.
Mit Tim und Jonas.
Beide Köche. Beide Azubis im letzten Jahr. Beide gut drauf.
Sie gehen ins Büro.
Ich denk mir noch: „Hoffentlich klären sie nur Musik.“

Fünf Minuten später hör ich’s.
Kein Techno.
Kein Smalltalk.
Nur:
Keuchen.
Betten gibt’s da nicht – also ist die Lage klar.
Live-Fickerei.
Im Büro.
Mit dem fucking Chef.

Ich geh nicht hin.
Bin ja nicht bescheuert.
Ich mach nur das, was jeder vernünftige Küchenmensch tut:
Ich rauch weiter und sag’s später allen.


Der nächste Morgen.

Katerstimmung.
Alle verkatert.
Der Laden stinkt nach Schweiß, Alkohol und zerplatzten Berufsträumen.
Ben kommt rein.
Ganz normal.
Kaffee. Zigarette.
Keine Miene.

Ich sag:
„War wild gestern, hm?“
Er:
„Jo. Bisschen viel, aber geil.
Laden muss ja auch mal loslassen können.“

LOS-LASSEN? BRUDI, DU HAST ZWEI LEUTE AN DIR GEHABT!

Ich frag nicht weiter.
Aber die Küche redet.
Natürlich.
Und Tim?
Der erzählt’s.
Mit Stolz.
Jonas nicht – der hat seitdem nie wieder Blickkontakt mit irgendwem gehabt.

Ben geht ganz cool damit um.
Tut so, als wär’s ’ne Teambuilding-Maßnahme.
Er sagt wörtlich:
„Wer zusammen schwitzt, kann auch mal entgleisen.“

Entgleisen?!
Wir sind aus den Gleisen, vom Bahnsteig und direkt in die Klapsmühle geflogen.


Die Konsequenzen?

→ Keiner hat gekündigt.
→ Alle tun bis heute so, als wär nix passiert.
→ Und Ben?
Der ist jetzt Head Chef in nem anderen Laden.
Wo er angeblich „ein sehr flaches Hierarchieverständnis“ lebt.


Fazit:

Gastro-Weihnachtsfeiern sind keine Feiern.
Sie sind offene Psychiatrie mit Musik.
Und wenn dein Chef seine Leute bügelt und Montag wieder Soße abschmeckt, als wär alles clean –
dann weißt du:
Willkommen in der Gastro.
Hier wird gefickt, gekocht, geschwiegen.
In exakt der Reihenfolge.

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