Wie wir 200 Eier innerhalb von 20 Minuten zerstört haben

Ein einziger Fehler – und du schwimmst in Eigelb.


Ich weiß nicht, was genau passiert ist.
Nur, dass es schnell ging.
Viel zu schnell.
Und dass ich danach gerochen habe, als hätte mich ein Huhn mit Persönlichkeitsstörung persönlich beleidigt und dann verprügelt.

Der Tag fing so harmlos an: Brunch-Wochenende, also die große Eier-Show.
Rührei, Spiegelei, pochiert, gekocht, Omelett, Egg Benedict – you name it.
Chef will’s fancy, Gäste wollen’s fett, Küche will einfach nur überleben.

„Mach mal alles bereit für 80 Gäste“, sagt der Chef.
„Also 150 Eier?“
„Mach 200. Sicher ist sicher.“
Sicher ist gar nix.

Wir holen die Paletten raus – frisch geliefert, hübsch gestapelt, die Dinger sehen aus wie kleine Hoffnungsträger.
Azubi Kevin (ja, der schon wieder) stellt sie auf die Edelstahlplatte. Ich schau ihn an:
„Mach das ordentlich fest.“
Er: „Jaja, hab ich.“
Spoiler: Hat er nicht.

Ich dreh mich um, bin zehn Sekunden mit der Hollandaise beschäftigt, da hör ich das Geräusch.
Dieses Geräusch.
Erst ein „KLACK“.
Dann ein dumpfer Schlag.
Dann… das große PLATSCHEN.

Ich dreh mich um.
Und da ist es:
Eier-Apokalypse.

Die Palette ist weg.
Runtergestürzt.
200 Eier.
Boden, Wand, Ausguss, Schuhe, Hose, Ofen – alles voll.
Ein See aus Eigelb und Scham.

Kevin steht daneben, Hände in der Luft, als hätte er den scheiß Pazifik auf dem Boden verteilt.
„Ich… also… ich wollte sie nur kurz verschieben…“
Ich:
„Ich will dich nur kurz erwürgen, aber hey – wir machen ja nix überstürzt.“

Der Chef kommt rein. Rutscht fast aus.
„WAS ZUR HÖLLE IST DAS?!“
Ich:
„Die neue vegane Ei-Deko.“
Er lacht nicht. Ich auch nicht.

Wir brauchen 30 Minuten, um den Boden überhaupt wieder begehbar zu machen.
Mit drei Lappen, zwei Eimern, und einem Haufen passiv-aggressiver Blicke.
Kevin wird zum Wischsklaven degradiert. Ich hol neue Eier aus’m Supermarkt – zu Fuß, weil der Lieferant zu spät ist.
18 Euro fürs Taxi sparen wir lieber, sagt der Chef.
Klar. Aber die Arbeitszeit von 3 Leuten zum Eierwischen? Gönn dir.

Zurück in der Küche braten wir wie die Irren. Die Gäste meckern natürlich über „zu lange Wartezeit beim Rührei“.
Wenn die wüssten, dass sie grad auf die zweite Charge Ei warten, weil die erste unter’m Tisch liegt.

Am Ende servieren wir Eier, als wäre nie was gewesen.
Nur ich – ich weiß es besser.
Ich hab den Blick des Krieges.
Den Blick eines Menschen, der 200 Leben verloren hat.
Klein. Rund. Glitschig. Und unnötig früh gestorben.


Fazit:
In der Gastro kannst du alles planen –
Aber gegen Schwerkraft, Azubi-Naivität und die heimtückische Physik eines Eierkartons bist du machtlos.
Die Lehre aus dem Tag?
Nie wieder mehr als 30 Eier offen rumstehen lassen.
Und: Kevin darf jetzt nur noch Dosen öffnen. Unter Aufsicht.

Share this content:

Kommentar veröffentlichen

Das könnte dich auch interessieren