Wie ein falscher Bon fast den Laden gesprengt hätte
Und warum ich mir danach geschworen hab, nie wieder freundlich zu sein.
Du kennst das: Der Service hat Stress, die Küche sowieso, und irgendwo zwischen Hauptgang und Dessert kommt dann der Moment, wo jemand sagt:
„Ach Mist, da ist wohl was falsch gelaufen…“
Und du weißt: Es wird gleich krachen.
Es war ein normaler Abend – das heißt: zu viele Gäste, zu wenig Leute, zu viel zu tun. Ich stehe am Pass, halb verbrannt von der Wärmelampe, halb taub vom Geschrei aus der Spüle.
Dann kommt der Bon.
„Tisch 12 – 2x Rinderfilet, medium.“
Easy. Das machen wir blind. Filet auf den Grill, Gemüse in die Pfanne, Jus drauf, anrichten, raus damit.
Fünf Minuten später kommt der Kellner angerannt wie bei einem Notfall.
„Die wollten das aber durch.“
Ich:
„WAS?!“
„Ja, die essen kein rosa Fleisch, die sind da empfindlich.“
Empfindlich?! Empfindlich?!
ICH bin empfindlich! Vor allem, wenn ich perfekt gegartes Fleisch gleich wieder in die Pfanne klatschen soll, damit es zu einem traurigen Stück Schuhsohle mutiert.
Aber gut – Kunde ist König, und ich bin der Narrenhof.
Also: neues Filet, diesmal durch. Dazwischen muss ich noch ein veganes Risotto retten, das aussieht wie Tapetenkleister, weil der Azubi dachte, Hafersahne = Geschmack. Spoiler: Nein.
Während ich das zweite Filet rausgebe, hör ich aus dem Gastraum ein Zischen.
Der Gast, Tisch 12, tobt.
„Ich hab doch gesagt: VEGAN!“
Was?!
Ich guck den Bon an.
Ja – da steht Rinderfilet.
Was. Zum. Teufel.
Der Kellner hat’s verbockt. Tisch 12 war der Veganer, Tisch 14 wollte das Filet. Und ich?
Hab dem Veganer zwei fette Stücke Kuh serviert.
Mit Jus. Aus Knochen.
Mit Butter in der Pfanne.
Mit null Chance auf Rettung.
Ich steh da, sehe alles in Zeitlupe. Die Gäste, wie sie diskutieren. Der Chef, wie er panisch in Richtung Tisch rennt. Der Kellner, wie er versucht zu erklären, dass es ein Versehen war.
Und ich?
Ich bin kurz davor, mit dem Schneebesen irgendwen zu erschlagen.
Der Gast will die Polizei rufen.
„Ich wurde vergiftet!“
Der Kellner entschuldigt sich hundertmal.
Ich sag einfach nichts mehr. Weil wenn ich jetzt rede, explodiert was.
Am Ende gibt’s einen Gutschein. Eine Flasche Wein. Der Chef redet sich um Kopf und Kragen. Ich brate in der Küche weiter stumm Fisch – mit dem Hass von jemandem, der einfach nur die richtigen Bons kriegen will.
Fazit:
Ein falscher Bon ist nicht nur ein Fehler.
Er ist ein kleiner, zündelnder Docht in einem Raum voller Emotionen, Chaos und scharfen Gegenständen.
Und manchmal – reicht genau dieser Funke, um alles in Brand zu setzen.
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