Wenn der Chef am Gast verzweifelt – und du’s ausbaden darfst
Weil in der Gastro am Ende immer der Kellner den Kopf hinhält.
Es war ein klassischer Freitagabend.
Volles Haus. Alle Tische belegt. Küche im Anschlag.
Die Luft roch nach Fett, Knoblauch, Wut und Schweiß – also: Gastroparfüm.
Tisch 8 war das Problem.
Eine dieser Tischgesellschaften, bei der du nach fünf Minuten weißt:
Da läuft irgendwas schief im Leben – und die lassen’s an dir aus.
Zwei Typen, zwei Frauen, alle Mitte 50, mindestens eine halbe Flasche Wein intus, und die Stimmung schwankt irgendwo zwischen „Kneipenphilosophie“ und „Ich beschwer mich gleich schriftlich.“
Ich bring den Hauptgang.
„Hier das Filet, einmal die Pasta, das Kalbsragout und…“
„Was ist das?“
Ich:
„Das Kalbsragout, wie bestellt.“
„Das sieht nicht aus wie auf dem Bild auf eurer Website.“
BRUDI – DAS IST EIN TEXTBASIERTES MENÜ!
Ich bleib ruhig.
Er will’s zurückgeben.
Ich sag, kein Problem, hol dem Typen was anderes.
Gib’s durch in die Küche.
Chef dreht durch.
„DER SCHICKT DAS JETZT ZUM ZWEITEN MAL ZURÜCK?!“
Ich:
„Ja. Aber wir bleiben freundlich.“
Chef:
„Ich bin nicht mehr freundlich. Ich bin durch.“
Er geht raus.
Zum Tisch.
Ich seh’s schon an seinem Gang – der Ton wird gleich sportlich.
Chef stellt sich hin, lächelt aufgesetzt.
„Guten Abend. Was genau stimmt denn diesmal nicht?“
Gast:
„Das Fleisch ist zu zäh. Das war beim letzten Mal besser.“
Chef:
„Das Kalb ist jung. Wenn’s Ihnen zu zäh ist, liegt’s vielleicht am Messer. Oder an Ihren Zähnen.“
NEIN, HAT ER NICHT.
DOCH. HAT ER. LIVE.
Der Gast flippt.
„Was erlauben Sie sich?! Ich bin Stammgast!“
Chef:
„Dann wissen Sie ja, dass wir bei zähen Gästen nix machen können.“
Dreht sich um. Lässt mich stehen.
Ich. Steh. Da.
Der Tisch guckt mich an, als wär ich gerade höchstpersönlich über ihren Hund gefahren.
Ich lächle.
Sag:
„Ich bring Ihnen gern noch einen Espresso aufs Haus. Oder nen Strick, je nachdem.“
Sie bestellen den Espresso.
Zahlen.
Ohne Trinkgeld.
Verlassen fluchend den Laden.
Chef kommt zurück.
Grinst.
„Was für ein Spacko, oder?“
Ich:
„Ja. Und ich war sein Boxsack.“
Fazit:
Wenn der Chef die Fassung verliert, bist du der Prellbock.
Weil Service nicht nur heißt: Teller tragen.
Sondern auch:
Kugeln fressen, die andere feuern.
Aber hey – ich leb noch.
Mit inneren Blutergüssen.
Und nem Espresso, den ich dann selber getrunken hab.
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