Wie der Azubi dachte, Sous-vide bedeutet ‚unter Wasser kochen

Und warum ich danach jedes Vakuumgerät weggesperrt habe wie eine Waffe.


Sous-vide – für Außenstehende:
Das ist diese feine, langsame, französisch-edle Garmethode, bei der du Essen bei kontrollierter Temperatur im Wasserbad ganz präzise garst.
Zart, saftig, punktgenau.
Und NICHT in einem Eimer kochendem Wasser, Kevin.

Es war Dienstag, Prep-Tag.
Ich war hinten im Lager, hab Fleisch sortiert, als mir auffällt:
„Kevin ist still. Zu still.“
Das ist wie bei kleinen Kindern – wenn sie leise sind, bauen sie Mist.
Ich geh also raus.
Und da seh ich ihn.

Er steht am Herd.
Vor sich: ein 10-Liter-GN-Topf, darin Wasser – kochend.
Und was schwimmt drin?

Zwei vakuumierte Entenbrüste.
Ein vakuumierter Spargel.
Und, halt dich fest: ein Beutel mit frischem Basilikum – mit Luft drin.

Ich sag:
„KEVIN. WAS ZUR HÖLLE MACHST DU DA?“
Er dreht sich um, völlig ungerührt, und sagt:
„Ich mach Sous-vide. Ich hab’s auf YouTube gesehen.“

Ich schau in den Topf.
Der Basilikumbeutel bläht sich auf wie ’n Heißluftballon.
Die Entenbrüste werden gerade zu Gummi.
Und der Spargel sieht aus, als hätte er Vietnam gesehen.

Ich sage:
„Sous-vide heißt nicht ‘koch es in der Hölle’. Das Wasser darf nicht mal blubbern, verdammt noch mal!“
Er:
„Achso… ich dachte, solange es Wasser ist, passt’s.“

PASST’S?! Kevin, mit der Logik kannst du auch dein Handy in die Mikrowelle stecken und sagen: ‘Es hat auch Knöpfe.’

Ich dreh den Herd runter.
Zieh die Beutel raus.
Entenbrust: tot.
Spargel: Tod durch Verbrühung.
Basilikum? Explodiert, als ich den Beutel öffne.

Chef kommt rein.
Ich erklär ihm das Ganze.
Er sagt nur:
„Hat er wenigstens das Wasser gesalzen?“
Ich:
„Nein. Er hat nur seine Karriere versalzen.“

Kevin fragt:
„Könnte man das nicht einfach ‚Sous-chaud‘ nennen, dann passt’s doch wieder?“
Ich schau ihn an.
Ich verliere alle Hoffnung.

Wir haben den kompletten Inhalt weggeschmissen.
Für 80 Euro Entenbrust.
Dazu drei Stunden Vorbereitungszeit, weil Kevin der Meinung war, Sous-vide sei einfach „Tütchen rein, Deckel drauf, gut ist.“

Wir haben ihn danach zur Theorie-Schulung geschickt.
Allein.
Drei Stunden lang.
Mit einem Blatt Papier, auf dem stand:
„Sous-vide ≠ Kochen im Whirlpool.“


Fazit:
Sous-vide ist kein Zaubertrick.
Es ist Präzision. Technik. Geduld.
Und wenn du einem Azubi wie Kevin das Vakuumiergerät gibst,
ist das wie einem Fünfjährigen ’ne Schusswaffe zu reichen und zu sagen:
„Spiel mal leise damit.“

Seitdem?
Kevin darf höchstens Wasser für Tee kochen.
Aber nur unter Aufsicht.
Und nur, wenn das Wasser nicht über 70 Grad geht.
Für die Sicherheit von uns allen.

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