Wie der Azubi meinte, Mise en place sei ein französisches Musikgenre
Und warum ich danach fast geglaubt hab, es sei wirklich so – weil nichts mehr Sinn machte.
Mise en place.
Für Außenstehende: Das bedeutet „alles an seinem Platz“.
Vorbereitung. Ordnung. System.
In der Küche ist das so heilig wie Händewaschen nach dem Pissoir (was auch nicht immer klappt, aber das ist ein anderer Beitrag).
Wenn du als Koch „Mise en place“ sagst, dann weiß jeder:
Jetzt wird ernst gearbeitet.
Jetzt geht’s ums Eingemachte – und zwar im wortwörtlichsten Sinne.
Außer du bist Kevin.
Unser Azubi.
Der hat bei „Mise en place“ gedacht:
„Ah geil, chillige Beats.“
Es war Vormittag.
Wir bereiten uns auf eine Abendveranstaltung vor.
20 Menüs, davon 8 vegetarisch, 2 ohne Gluten, 1 mit „bitte ohne alles, nur schön angerichtet“.
Also: klassischer Albtraum.
Ich ruf in die Küche:
„Kevin, mach bitte dein Mise en place!“
Er ruft zurück:
„Kommt sofort!“
Ich denk: Geil. Er hat’s verstanden.
Er hat’s nicht.
Zehn Minuten später komm ich aus dem Kühlhaus zurück, schau um die Ecke –
und da steht Kevin.
Mit dem Handy.
Kopfhörer im Ohr.
Und tanzt.
Ich:
„Was machst du?“
Er:
„Du hast gesagt: Mise en place – ich hab’s gegoogelt. Das ist doch so ein französisches Lo-Fi-Zeug oder?“
„Was?!“
Er zeigt mir sein Handy.
YouTube.
Playlist-Titel: „Mise en Place – Chill Kitchen Beats – French Ambient Jazz Mix“
Ich schwöre bei allem, was mir heilig ist:
Ich konnte nicht mal wütend sein.
Weil mein Gehirn damit beschäftigt war, NICHT aus meinem Schädel zu fliehen.
Ich sag:
„Kevin. Mise en place heißt Vorbereitung. Schneiden. Wiegen. Kochen vorbereiten.“
Er:
„Ach so. Ich dachte, das ist so Küchenstimmungsmusik. Ich hab mich schon gewundert, warum das im Stundenplan steht.“
BRUDI.
STUNDENPLAN?!
Ich schick ihn sofort los:
Zwiebeln schneiden. Tomaten blanchieren. Gnocchi portionieren.
Er fragt, ob er dabei die Playlist laufen lassen darf.
Ich sag: Wenn du noch einmal „Chill Beats“ erwähnst, landet dein Handy im Fritteusenöl.
Drei Stunden später hatte er immerhin alles geschnibbelt.
Langsam.
Aber korrekt.
Und er sagte beim Gehen:
„Aber ehrlich – die Playlist war nice. Hat mich runtergebracht.“
Ich:
„Mich auch.
Runter auf ein neues Niveau der Hoffnungslosigkeit.“
Fazit:
Mise en place ist kein verdammtes Soundcloud-Projekt.
Es ist Struktur.
Es ist Disziplin.
Es ist das Rückgrat der Küche.
Und wenn dein Azubi beim Begriff „Mise en place“ an Chillelektro denkt,
dann solltest du ihm lieber ein Schneidbrett in die Hand drücken –
und den WLAN-Router aus der Steckdose ziehen.
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