Wie der Azubi den Parmesan mit Backpapier gerieben hat

Und warum ich seither Geräusche kriege, wenn ich an Reibekäse denke.


Es war ein ganz normaler Tag.
Ich hatte Kevin in der Vorbereitung.
Klassisch: Parmesan reiben für die Pasta, Salate, Garnituren, whatever.
Kein Hexenwerk.
Ein Job, bei dem man als Ausbilder denkt:
„Da kann er nichts kaputt machen.“

Spoiler:
Er kann. Und wie.

Ich steh in der kalten Küche, kümmere mich um Antipasti.
Kevin ist still beschäftigt.
Zu still.
Ein Azubi, der länger als 10 Minuten nichts fragt = entweder tot, oder gerade dabei, etwas zu zerstören.

Ich geh rüber zum Mise en place-Tisch.
Und da seh ich es.

Er steht da.
Mit einem Block Parmesan.
Und einem zerknüllten, halb durchgerissenen Stück Backpapier.
Und er… reibt.

Nicht auf einer Reibe.
Nicht auf einem Hobel.
Er zieht das Backpapier über den Käseblock.
Hin und her.
Mit so viel Überzeugung wie ein Höhlenmensch, der Feuer macht.

Ich sag nichts.
Weil ich nichts sagen kann.
Weil mein Gehirn in diesem Moment neu startet wie Windows 98 nach einem Stromausfall.

Ich geh näher.
Frage ganz ruhig:
„Kevin. Was genau. Tust. Du. Da?“
Er:
„Ich hab die Reibe nicht gefunden, aber Backpapier hat ja auch so ne raue Struktur, weißt du? Und ich dachte, das ist dann quasi wie… Parmesan-Schleifen.“

Parmesan. Schleifen.
Wie ein fucking Tischler.

Ich schau mir den Käse an.
Er ist verschmiert.
Eingerissen.
Überzogen mit Fetzen von Backpapier und einem leichten Ölfilm.
Ich frage:
„Und? Wie viel hast du schon geschafft?“
Er zeigt auf einen kleinen Krümelhaufen.
Ich sage:
„Kevin. Du hast in 20 Minuten ungefähr 3 Gramm produziert.
Dafür hättest du auch einfach niesen können.“

Er zuckt mit den Schultern.
„Ist halt improvisiert.“

Brudi, improvisieren ist, wenn du das Dressing mit Limette machst, weil keine Zitrone mehr da ist.
Das hier war kein Improvisieren.
Das war Parmesan-Missbrauch.

Ich nehm ihm den Käse weg.
Geh zum Schrank.
Zieh die Reibe raus.
Direkt daneben, da wo sie immer steht.
Ich halte sie hoch.
Er sagt:
„Ach so, ich dachte, das ist der Gemüsehobel.“

Ich. Muss. Atmen.
Langsam.
Tief.
Sonst reib ich gleich IHN.
Mit Backpapier.


Fazit:
Parmesan ist nicht irgendein Käse.
Er ist heilig.
Und wer ihn behandelt wie eine Knetmasse mit Schleifpapier,
gehört aus der Küche verbannt
und muss erstmal ’ne Woche Kartoffeln schälen.
Mit den Zähnen.

Seitdem steht die Reibe bei uns beschriftet.
Mit Schild.
Und Alarmanlage.


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