Wie der Azubi sich beim Servieren mit Trüffelöl vollgesaut hat – und es dann als Duftmarketing verkauft hat
Und warum ich heute noch aus Reflex würge, wenn jemand „ein bisschen Trüffel“ sagt.
Es war ein Samstag.
Volles Haus.
Menüabend.
Alle sind im Anschlag – Küche dampft, Service rennt, der Chef steht mit zusammengekniffenen Augen am Pass und flucht auf Französisch.
Also alles wie immer.
Kevin – unser Azubi – durfte mitlaufen im Service.
Endlich mal was „Elegantes“, wie er sagte.
Eleganz und Kevin sind wie Trüffelöl und Eistee – beides flüssig, aber keine gute Kombination.
Tisch 7 bestellt:
→ Hausgemachte Pasta mit frischer Trüffelcreme
→ Am Tisch finalisiert, mit ein paar Tropfen Trüffelöl aus der Pipette,
damit’s schön fancy aussieht und riecht.
Ich geb Kevin die Pipette.
Ich sage, ganz deutlich:
„Ein, maximal zwei Tropfen – nicht drücken, nur fließen lassen.
UND HALT DIE PIPETTE ÜBER DEM TELLER.“
Er nickt.
Ich schwöre, er guckt wie ein Schüler vor der Mathearbeit: keine Ahnung, aber volle Überzeugung, dass’s schon klappt.
Ich geh weiter, bring was raus –
und dann höre ich aus dem Gastraum:
„Oh mein Gott!“ – gefolgt von Stühlerücken und dem Geräusch von flüssigem Fett, das auf Stoff trifft.
Ich renne hin.
Und was seh ich?
Kevin.
Triefend.
Oberkörper glänzt wie ne Butterfliege auf Speed.
Die Pipette? Offen.
Der komplette Flakon mit Trüffelöl ist ihm über die Hand gerutscht,
runter aufs Hemd, Hose, Schuhe – und halb auf den Teppich.
Der Tisch?
Sitzt da, fassungslos.
Der Gast sagt:
„Riecht wie die Speisekammer von Gollum nach 3 Tagen ohne Dusche.“
Ich will was sagen – Kevin kommt mir zuvor.
Er hebt beide Arme, grinst und sagt:
„Keine Sorge – das gehört dazu! Das ist unser neues Duftmarketing – immersives Genusserlebnis, voll modern!“
Ich glaub, ich hab kurz einen Nerv verloren.
So innerlich.
Wie wenn du beim Aufräumen deinen letzten Funken Hoffnung findest – und ihn dann aus Versehen mit dem Müll rausbringst.
Ich nehm ihn zur Seite.
Frage:
„DUFTMARKETING?! KEVIN, DU RIECHST WIE EIN WETTBEWERB ZWISCHEN ALTEM KÄSE UND WALDLEICHEN!“
Er:
„Aber ist doch hochwertig, oder?“
Ich:
„Brudi, du könntest mit deinem Hemd Tauben aus der Innenstadt vertreiben!“
Wir bringen dem Tisch neue Pasta.
Der Chef will Kevin aus dem Service nehmen.
Aber die Gäste – ungelogen – sagen:
„Ist okay. War unterhaltsam. Und wir vergessen’s nie.“
(Trinkgeld? Vier Euro. Für ein Ölbad und gebrochene Würde.)
Kevin wird zur Bar versetzt.
Darf da ohne Pipetten arbeiten.
Nur Flaschen.
Mit Schraubverschluss.
Fazit:
Trüffelöl ist mächtig.
In kleinen Dosen: edel.
In der falschen Hand: eine biologische Waffe.
Und wenn dein Azubi sich damit duscht und es „Marketing“ nennt,
dann brauchst du keine Kritik vom Gesundheitsamt mehr –
dann hast du Gastro-Level: Endgegner erreicht.
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