Der Barkeeper, der mit dem Lieferanten Drogen gedealt hat – im Austausch gegen Tonic Water
Und warum die Bar plötzlich jeden Abend bis 4 Uhr offen war – auch ohne Gäste.
Der Laden war stylish.
Betonoptik, Neonlicht, Signature-Drinks mit Namen wie „Lavender Pain“ oder „Basil Punch your Father“.
Hipster-Erotik trifft Getränkekarte mit Komplex.
Hinterm Tresen: Chris.
Bart bis zur Brust, Tattoos mit Bedeutung, redet vom Leben wie andere vom Craftbier.
Und immer:
gut gelaunt.
Hellwach.
Grinst wie einer, der weiß, dass sein Kontostand eigentlich scheiße ist – aber trotzdem grad irgendwas läuft.
Die Sache mit dem Tonic
Es fing klein an.
Chris bestellt Tonic Water – viel.
Mehr als nötig.
Ich wundere mich.
Sag:
„Alter, wie viele Gin Tonics verkaufst du? Is doch kein Rave hier.“
Er:
„Ist für Special Guests. Man muss vorbereitet sein.“
Special Guests.
Digga.
Wir hatten Dienstagabende mit vier Gästen, zwei davon Kellner, die auf ’nen Drink gehofft haben.
Niemand braucht 17 Kisten Tonic.
Dann fällt mir auf:
→ Der Lieferant bleibt länger.
→ Übergaben im Kühlhaus.
→ Chris immer verdammt wach –
selbst nach 12 Stunden am Tresen.
Ich frag den Azubi:
„Ey, was läuft da?“
Er:
„Ich glaub, Chris dealt.
Hat mir mal gesagt, er verdient nachts mehr mit ’ner Line als mit zehn Moscow Mule.“
Der Tag, an dem’s aufflog
Montag. Kontrolle.
Chef sagt:
„Irgendwas stimmt mit der Warenbestellung nicht.
Das Tonic geht raus – aber keine Rechnung passt.“
Wir kontrollieren den Lagerbestand.
Jede zweite Tonic-Kiste leer.
Vorne original, hinten durchgeschnitten.
Drin:
Umschläge.
Zipperbags.
Glück.
Verzweiflung.
Kolumbien.
Ich schwöre:
Chris hat Tonic bestellt, um’s als Tarnung für den Koks-Express zu nutzen.
Breaking Bar.
Konfrontation.
Chef stellt ihn.
Erst Gelaber:
„Ach Quatsch, ich bin einfach wach, weil ich gern arbeite.“
Dann:
„Okay, ich verkauf bisschen was nebenbei.
Is doch eh jeder drauf. Ich nenn’s Dienstoptimierung.“
BRUDI, DAS IST KEINE MINERALZUSATZSTOFFE – DAS IST BETÄUBUNGSMITTELHANDEL.
Er lacht.
Sagt:
„Glaubst du, ich steh 12 Stunden an der Bar mit 80 Bestellungen pro Stunde, weil ich Zen bin?
Ich bin nicht wach – ich bin geladen.“
Konsequenzen?
→ Polizei? Fehlanzeige.
Chef hat das still geregelt – „intern“.
→ Chris raus.
→ Lieferant nie wieder gesehen.
→ Und das nächste Tonic kam von ’nem Großhändler, der auch wirklich nur Getränke liefert –
und keine Eskalation in Dosen.
Fazit:
Wenn der Barkeeper plötzlich besser gelaunt ist als der DJ,
und dein Lagerbestand mehr Tonic als Gin hat –
guck nach, ob du nicht aus Versehen Teil eines Kartells bist.
Gastro ist stressig.
Aber wenn du anfangen musst, dich wach zu DEALEN,
statt wach zu KOCHEN,
dann brauchst du keine Bar mehr.
Dann brauchst du ’ne verdammte Intervention.
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